Was ist Bitcoin Dominanz?
Die Bitcoin Dominanz beschreibt den Anteil von Bitcoin an der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Liegt sie bei 56 %, bedeutet das: Von jedem Euro, der aktuell in Krypto investiert ist, stecken 56 Cent in Bitcoin. Die restlichen 44 Cent verteilen sich auf Ethereum, Stablecoins, Altcoins und tausende weitere Projekte.
Die Kennzahl ist kein Kurswert. Sie sagt nichts darüber aus, ob Bitcoin gerade günstig oder teuer ist, sondern zeigt, wie das Kapital im Krypto-Markt aktuell verteilt ist. Das macht sie zu einem nützlichen Kontext- und Stimmungsindikator.

Wie wird Bitcoin Dominanz berechnet?
Formel:
Bitcoin Dominanz = Marktkapitalisierung BTC ÷ Marktkapitalisierung aller Kryptos × 100
Was im Nenner steckt, ist dabei entscheidend: Er umfasst nicht nur Bitcoin und Ethereum, sondern auch Stablecoins wie Tether oder USDC, alle Altcoins und neu gelistete Token. Das hat einen wichtigen Effekt: Wenn der Krypto-Markt wächst und neue Token hinzukommen, kann das die Bitcoin Dominanz tendenziell drücken – nicht jeder neue Token bewegt sofort nennenswert viel, aber der strukturelle Effekt über Jahre ist real.
Als Bitcoin 2009 startete, war es die einzige Kryptowährung überhaupt. Die Dominanz lag entsprechend bei nahezu 100 %. Seitdem sinkt sie strukturell, weil immer mehr Projekte an Marktkapitalisierung gewinnen.
Langfristige Vergleiche sind deshalb sinnvoll, solange man die veränderte Zusammensetzung des Marktes im Hinterkopf behält: Mehr Stablecoins, mehr Projekte, ein anderes Token-Universum als noch 2015 oder 2017. Der Trend innerhalb eines Zeitraums ist meist aussagekräftiger als der Vergleich absoluter Zahlen über Jahrzehnte.
So liest du den Bitcoin Dominanz Chart
Der Chart zeigt die Dominanz von Bitcoin (orange), Ethereum (blau), Stablecoins (grün) und allen anderen Kryptos (grau) über die Zeit. Hier ist, worauf es ankommt:
Steigende Bitcoin Dominanz
Kapital fließt relativ zu anderen Kryptos in Bitcoin. Das passiert typischerweise in unsicheren Marktphasen, wenn Anleger auf das vergleichsweise etablierteste Asset setzen. Altcoins verlieren in solchen Phasen oft überproportional.
Fallende Bitcoin Dominanz
Kapital wandert aus Bitcoin in Ethereum, Altcoins oder Stablecoins. Fällt sie in einem insgesamt steigenden Markt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass eine breitere Rally, eine sogenannte Altcoin Season, beginnt oder bereits läuft.
Steigende Stablecoin-Dominanz
Dieses Signal kann zwei Ursachen haben: Entweder ziehen Anleger Kapital aus dem Markt, ohne den Krypto-Bereich ganz zu verlassen – klassisches Risk-off-Verhalten. Oder der Stablecoin-Supply wächst schlicht insgesamt, weil neue Stablecoins emittiert werden. Beides drückt die Bitcoin Dominanz nach unten, aus sehr unterschiedlichen Gründen.
Für die Timeframes gilt: Der 1-Monats-Chart zeigt kurzfristige Verschiebungen, oft durch einzelne Ereignisse ausgelöst. Der 1-Jahres-Chart gibt ein klareres Bild der aktuellen Marktphase. Der 5-Jahres- oder Max-Chart hilft, historische Muster einzuordnen, etwa den massiven Dominanzrückgang 2017 während des ICO-Booms oder die Erholung ab 2022.
Marktphasen und Rotation
Krypto-Märkte durchlaufen erkennbare Rotationsphasen, die sich im Dominanz-Chart widerspiegeln:
BTC-Phase: Bitcoin zieht frisches Kapital an, Dominanz steigt. Altcoins performen oft unterdurchschnittlich.
ETH & Large Caps: Kapital beginnt in Ethereum und etablierte Altcoins zu rotieren, Dominanz flacht ab oder fällt leicht.
Altcoin Season (Altseason): Kapital fließt weiter in kleinere Altcoins, Bitcoin Dominanz fällt deutlich.
Risk-off: In Bärenmärkten steigt entweder die Bitcoin Dominanz wieder oder die Stablecoin-Dominanz klettert, weil Anleger Verluste begrenzen.
Diese Rotation ist kein Naturgesetz und wiederholt sich nicht immer in gleicher Reihenfolge, aber als grober Orientierungsrahmen hat sie sich historisch oft bewahrheitet. Das Gegenstück zur Bitcoin Dominanz ist die Altcoin Dominanz, die vereinfacht dem restlichen Marktanteil aller anderen Kryptos zusammen entspricht. Wer den Altcoin Season Index parallel beobachtet, bekommt ein noch klareres Bild davon, in welchem Zyklus der Markt gerade steht.
Praktische Nutzung
Marktphase einordnen: Wer wissen möchte, ob der Markt gerade im "Bitcoin-Modus" oder im "Altcoin-Modus" ist, schaut auf den Trend der letzten Wochen. Eine BTC-Dominanz, die über mehrere Wochen konsistent steigt, spricht eher für Vorsicht bei kleineren Altcoins.
Risiko-Appetit einschätzen: Eine steigende Stablecoin-Dominanz zeigt, dass ein signifikanter Teil des Marktes auf der Seitenlinie wartet. Das ist kein Kaufsignal, aber ein Hinweis, dass viel Kapital potenziell wieder in den Markt fließen könnte.
Portfolio-Gewichtung überdenken: Wer zwischen Bitcoin und Altcoins diversifiziert, kann die Dominanz als eine von mehreren Grundlagen nutzen, um seine Gewichtung periodisch zu hinterfragen – nicht als Timing-Tool, sondern als Kontextgeber für die aktuelle Marktstruktur.
Was die Bitcoin Dominanz nicht aussagt
Dominanz ist nicht gleich Preis
Bitcoin kann auf ein neues Allzeithoch steigen und die Dominanz trotzdem fallen, nämlich dann, wenn Altcoins noch stärker steigen. Umgekehrt kann die Dominanz steigen, obwohl der Bitcoin-Kurs fällt, wenn Altcoins noch stärker fallen.
Stablecoins verzerren das Bild
Da Stablecoins zum Nenner gehören, kann ihr Wachstum die Bitcoin Dominanz nach unten drücken, ohne dass sich an der tatsächlichen Nachfrage nach Bitcoin irgendetwas geändert hat. Manche Analysten berechnen deshalb eine "BTC Dominanz ex-Stablecoins", die diesen Effekt herausrechnet.
Neue Token verwässern strukturell
Mit jedem relevanten neu gelisteten Projekt wächst der Nenner. Ein Wert von 95 % wie 2013 ist heute schlicht nicht mehr realistisch, nicht weil Bitcoin schwächer geworden ist, sondern weil der Markt fundamental anders zusammengesetzt ist.
Über den Autor
Hi, ich bin Philipp. 👋
Gründer kryptovergleich.de
Mit über 15 Jahren Erfahrung in der IT-Branche entwickle ich leidenschaftlich gern digitale Produkte, die Menschen wirklich weiterhelfen. 2017 bin ich tief in die Welt von Bitcoin & Co. eingetaucht – und habe schnell gemerkt, wie unübersichtlich und kompliziert vieles in der Krypto-Welt ist. Genau deshalb habe ich kryptovergleich.de gegründet: um Krypto einfacher, zugänglicher und transparenter zu machen.
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