Was bedeutet Inflation bei Kryptowährungen?
Bei Kryptowährungen bezeichnet Inflation die Zunahme der im Umlauf befindlichen Coins oder Token. Steigt die Umlaufmenge innerhalb eines Jahres beispielsweise von 100 auf 105 Millionen Token, beträgt die jährliche Angebotsinflation 5 %.
Angebotsinflation ist nicht dasselbe wie Kaufkraftverlust. Eine um 5 % größere Umlaufmenge bedeutet nicht automatisch, dass der Kurs um 5 % fällt. Die Preisentwicklung hängt auch von der Nachfrage und weiteren Marktfaktoren ab.
Warum verändert sich die Umlaufmenge?
Die Umlaufmenge kann durch verschiedene Mechanismen steigen oder sinken:
Mining: Neue Coins werden als Belohnung für die Erstellung von Blöcken ausgegeben, beispielsweise bei Bitcoin.
Staking: Bei vielen Proof-of-Stake-Netzwerken werden neue Coins als Belohnung für die Absicherung des Netzwerks ausgeschüttet.
Token-Freigaben: Bereits existierende, zuvor gesperrte Token gelangen in den Umlauf, etwa durch Freigaben für Teams oder Investoren. Dabei steigt die Umlaufmenge, ohne dass neue Token entstehen müssen.
Token-Burns: Token werden dauerhaft vernichtet. Werden dadurch mehr umlaufende Token entfernt als hinzugefügt, kann die Umlaufmenge sinken.
Beispiel Bitcoin: Das maximale Angebot ist auf rund 21 Millionen BTC begrenzt. Bis diese Grenze erreicht ist, entstehen durch Mining neue Bitcoin. Die Menge neu ausgegebener Bitcoin pro Block halbiert sich beim Halving etwa alle vier Jahre.
Wie wird die Inflationsrate berechnet?
Die Angebotsinflation beschreibt die prozentuale Veränderung der Umlaufmenge über einen bestimmten Zeitraum. So lässt sich die Veränderung über die vergangenen zwölf Monate berechnen:
Jährliche Inflationsrate = (heutige Umlaufmenge − Umlaufmenge vor einem Jahr) ÷ Umlaufmenge vor einem Jahr × 100
Beispiel: Die Umlaufmenge steigt innerhalb eines Jahres von 100 auf 110 Millionen Token. Die jährliche Inflationsrate beträgt 10 %.
Eine negative Rate bedeutet, dass die ausgewiesene Umlaufmenge gesunken ist. Neben Burns können auch Änderungen bei der Erfassung oder Einordnung von Token eine Rolle spielen.
Achte bei Jahresraten darauf, welchen Zeitraum sie abbilden: Rückblickende Werte beschreiben die vergangene Entwicklung, Prognosen dagegen die erwartete Veränderung. Andere Angaben rechnen die aktuelle Ausgabe neuer Coins auf ein Jahr hoch.
Was bedeuten Umlaufmenge, Gesamtangebot und maximales Angebot?
Die drei Angaben beschreiben unterschiedliche Aspekte des Token-Angebots:
Umlaufmenge (Circulating Supply): Die Anzahl der Coins oder Token, die nach der Berechnungsmethode des Datenanbieters als im Umlauf gelten. Langfristig gehaltene Token sind nicht automatisch ausgeschlossen.
Gesamtangebot (Total Supply): Alle bereits erzeugten Coins oder Token abzüglich dauerhaft vernichteter Einheiten. Darin können auch gesperrte Token enthalten sein.
Maximales Angebot (Max Supply): Die vorgesehene Obergrenze der jemals existierenden Coins oder Token. Nicht jede Kryptowährung hat eine solche Grenze.
Auch eine Kryptowährung mit festem Maximalangebot kann eine hohe Angebotsinflation haben, wenn große Mengen neu ausgegeben oder aus bestehenden Beständen freigegeben werden.
Was sagt die Inflationsrate aus?
Die Inflationsrate hilft dir einzuschätzen, wie stark sich das umlaufende Angebot verändert. Wächst die Umlaufmenge und bleibt dein Bestand gleich, sinkt dein Anteil daran. Das nennt man Verwässerung.
Beispiel: Du hältst 1.000 von 100.000 umlaufenden Token, also 1 %. Steigt die Umlaufmenge auf 110.000 Token, sinkt dein Anteil auf rund 0,91 %. Du besitzt weiterhin genauso viele Token, sie machen aber einen kleineren Teil des umlaufenden Angebots aus.
Entscheidend ist auch, wer die zusätzlichen Token erhält. Freigaben für Teams oder Investoren erhöhen deinen Bestand nicht. Erhältst du selbst neue Token als Staking-Belohnung, kann das die Verwässerung teilweise oder vollständig ausgleichen. Eine hohe Staking-Rendite solltest du deshalb immer zusammen mit der Angebotsinflation betrachten.
Zusätzliches Angebot kann den Kurs belasten, wenn die Nachfrage nicht entsprechend mitwächst. Hohe Inflation bedeutet aber nicht automatisch fallende Kurse. Umgekehrt garantiert eine niedrige oder negative Rate keine Kursgewinne.
Seit 2017 beschäftigt sich Philipp Duringer intensiv mit Bitcoin, Kryptowährungen und digitalen Finanzmärkten. Als Gründer von kryptovergleich.de verfolgt er das Ziel, Krypto-Themen einfacher, transparenter und besser vergleichbar zu machen. Dabei verbindet er fundiertes Krypto-Verständnis mit über 15 Jahren technischer Erfahrung in IT und digitalen Produkten.
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